
Ein Interessent besucht eine Präsentationswebsite, sucht die Preisseite, findet sie im Hauptmenü nicht und verlässt die Seite in weniger als zehn Sekunden. Dieses Szenario wiederholt sich auf einem Großteil der professionellen Websites, auf denen die Navigation auf einem einzigen, oft unvollständigen Menü basiert. Die Erkundung aller Seiten und Rubriken einer Website erfordert in Wirklichkeit die Kombination mehrerer Mechanismen, nicht nur das Klicken auf die sichtbaren Tabs.
Der HTML-Sitemap, erste Reflexion, um alle Seiten aufzulisten
Wenn man auf einen Blick alle Seiten einer professionellen Website sehen möchte, führt der kürzeste Weg über die Sitemap (oder HTML-Sitemap). Diese Seite, die oft im Footer zugänglich ist, zeigt eine hierarchisch gegliederte Liste aller veröffentlichten Rubriken und Unterseiten.
Man kann beispielsweise die Seiten von Tekniko entdecken, indem man direkt auf ihre Sitemap zugreift, was in wenigen Sekunden einen vollständigen Überblick über das Angebot, von den Dienstleistungen bis zu den rechtlichen Hinweisen, gibt.
Die HTML-Sitemap darf nicht mit der XML-Sitemap verwechselt werden, die für Suchmaschinen gedacht ist. Die HTML-Sitemap richtet sich an menschliche Besucher: Sie listet die Seiten mit lesbaren Titeln, organisiert nach Kategorien. Die XML-Sitemap hingegen enthält rohe URLs und technische Metadaten (Datum der letzten Änderung, Aktualisierungsfrequenz), die Google oder Bing für ihre Indizierung nutzen.
Auf einer WordPress-Website kann die HTML-Sitemap automatisch durch spezielle Erweiterungen generiert werden. Auf einer maßgeschneiderten Website erfordert sie eine manuelle Wartung bei jeder Seitenhinzufügung, was erklärt, warum einige Sitemaps unvollständig oder veraltet sind.

WCAG 2.2 Zugänglichkeitskriterium: Warum ein einziges Menü nicht mehr ausreicht
Die WCAG 2.2-Empfehlung, die vom W3C veröffentlicht und als ISO/IEC 40500:2025 anerkannt ist, legt ein präzises Kriterium für Websites fest, die das AA-Konformitätsniveau anstreben. Das Kriterium 2.4.5 (Multiple Ways) verlangt, dass jede Seite über mindestens zwei verschiedene Wege innerhalb eines Satzes von Seiten zugänglich ist.
Konkrete bedeutet, dass eine konforme professionelle Website nicht mit einem Hauptmenü auskommen kann. Sie muss mindestens einen zusätzlichen Mechanismus aus den folgenden anbieten:
- Eine HTML-Sitemap, die alle Rubriken und Seiten auflistet
- Eine interne Suchleiste, die es ermöglicht, Inhalte nach Schlüsselwörtern zu finden
- Ein Breadcrumb, das den hierarchischen Weg zur aufgerufenen Seite anzeigt
- Kontextuelle Links zwischen verwandten Seiten (interne Verlinkung)
Diese Anforderung gilt nun im Rahmen des European Accessibility Act in Europa. Für einen Besucher bedeutet dies, dass eine konforme Website immer mehrere Möglichkeiten bietet, zu jeder Seite zu navigieren, einschließlich derjenigen, die nicht im sichtbaren Menü aufgeführt sind.
XML-Sitemap und Crawling-Tools zur Erkundung einer Website von außen
Wenn man keine HTML-Sitemap findet oder überprüfen möchte, ob man etwas übersehen hat, kann man direkt die XML-Sitemap abfragen. Die meisten professionellen Websites verfügen über eine solche, die unter der Adresse /sitemap.xml oder /sitemap_index.xml zugänglich ist. Man muss nur diese URL in die Adresszeile des Browsers eingeben, um die rohe Liste aller indizierten Seiten zu erhalten.
Eine XML-Sitemap-Datei ohne technische Kenntnisse lesen
Die Datei wird in Form von Code angezeigt, aber die URLs sind lesbar. Jedes loc-Tag enthält die vollständige Adresse einer Seite. Man kann diese URLs in eine Tabellenkalkulation kopieren und nach Rubrik oder Änderungsdatum sortieren. Eine XML-Sitemap zeigt oft Seiten, die im Menü unsichtbar sind: Werbeseiten, alte Aktionen, archivierte Blogartikel.
Kostenlose Crawler zur Kartierung einer kompletten Website
Tools wie Screaming Frog (kostenlose Version auf 500 URLs begrenzt) oder Browsererweiterungen zum Scraping ermöglichen es, automatisch alle Seiten einer Website zu durchsuchen, indem sie den internen Links folgen. Der Crawler beginnt auf der Startseite, folgt jedem HTML-Link, den er findet, und erstellt schrittweise eine Karte der Website.
Die Rückmeldungen variieren in diesem Punkt: Einige Websites blockieren Crawler über ihre robots.txt-Datei, und die kostenlose Version einiger Tools reicht nicht aus für Websites mit mehreren Hundert Seiten. Für eine klassische Präsentationswebsite stellen diese Einschränkungen selten ein Problem dar.

Manuelle Erkundung: Den internen Linkaufbau und den Footer nutzen
Nicht alle Besucher möchten eine XML-Sitemap in ihrem Browser öffnen. Die manuelle Erkundung bleibt die gängigste Methode, vorausgesetzt, man weiß, wo man über das Hauptmenü hinaus suchen kann.
Der Footer konzentriert oft die Links zu den im Menü vergessenen Seiten: rechtliche Hinweise, Datenschutzrichtlinien, Allgemeine Geschäftsbedingungen, Sitemap, Karriereseite. Auf vielen professionellen Websites enthält der Footer mehr Links als das Hauptnavigationsmenü.
Das Breadcrumb, wenn es vorhanden ist, ermöglicht es, von jeder tiefen Seite in die Hierarchie der Website zurückzukehren. Wenn man über eine Suchmaschine auf einen Blogartikel gelangt, zeigt das Breadcrumb den vollständigen Weg an: Startseite > Blog > Kategorie > Artikel. Ein Klick auf “Kategorie” gibt Zugang zu allen zugehörigen Inhalten, einschließlich derjenigen, die anderswo nicht sichtbar sind.
Die interne Verlinkung, also die Links, die im Textkörper zu anderen Seiten derselben Website platziert sind, stellt einen dritten Erkundungskanal dar. Eine gute interne Verlinkung verwandelt jede Seite in einen Zugang zu anderen. Auf einer gut gestalteten Website führt das Lesen eines Artikels oder eines Dienstleistungsblatts natürlich zu ergänzenden Inhalten, ohne dass man erneut über das Menü gehen muss.
Interne Suche und Navigation durch Filter auf umfangreichen Websites
Auf professionellen Websites mit mehreren Dutzend Seiten (Kataloge, E-Commerce-Websites, Dienstleistungsportale) wird die interne Suche zum schnellsten Mittel, um eine bestimmte Seite zu lokalisieren. Ein gut konfiguriertes Suchfeld indiziert den gesamten veröffentlichten Inhalt, einschließlich PDFs und herunterladbarer Dokumente.
Die Qualität dieser Suche variiert enorm von Website zu Website. Einige interne Suchmaschinen durchsuchen nur die Seitentitel, andere durchforsten den gesamten Inhalt. Die interne Suche mit verschiedenen Begriffen zu testen (Dienstleistungsname, Standort, technisches Schlüsselwort) gibt schnell einen Eindruck von ihrer Zuverlässigkeit.
Die Navigationsfilter nach Kategorie, Inhaltstyp oder Datum ergänzen die Textsuche. Man findet sie vor allem auf professionellen Blogs und Websites mit hohem Volumen, wo das Durchsuchen einer Sitemap mühsam werden würde.
Schließlich besteht die Erkundung einer professionellen Website darin, diese Kanäle zu kombinieren: Sitemap für die Gesamtansicht, interne Suche für die gezielte Suche, Footer und interne Verlinkung für die Entdeckung während des Lesens. Eine Website, die diesen vier Zugänge bietet, lässt keine Seite im Schatten.